top of page

#4 Warum dein innerer Kochtopf auch im Sommer Wärme braucht

  • 6. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Wie die Traditionelle Chinesische Medizin erklärt, warum warme Mahlzeiten selbst an heißen Tagen deine Verdauung unterstützen können.


Wenn die Temperaturen steigen, greifen viele ganz automatisch zu Salaten, Rohkost, Eiscreme und eisgekühlten Getränken. Das ist verständlich – schließlich möchten wir unseren Körper an heißen Tagen erfrischen. Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) lohnt es sich jedoch, auch im Sommer regelmäßig gekochte Speisen auf den Teller zu bringen.


Das bedeutet keineswegs, dass Salate oder frisches Obst grundsätzlich „verboten“ sind. Im Gegenteil: Saisonales Obst und Gemüse liefern wertvolle Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe und gehören selbstverständlich zu einer ausgewogenen Ernährung. Entscheidend ist jedoch nicht nur was wir essen, sondern auch wie viel, wie häufig und wie gut unser Körper die Nahrung verwerten kann. Deine Konstitution spielt hier eine entscheidende Rolle.


Das Kochtopfmodell der TCM


In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird unsere Verdauung häufig mit einem Kochtopf verglichen.


Stell dir einen Topf vor, der über einer Flamme steht. In den Topf gelangen alle Lebensmittel, die wir essen. Der Topf steht für den Magen. Die Flamme steht für die Kraft der Nieren – für unser konstitutionelles Yang – also für Wärme und Energie.


Diese Verdauungswärme benötigt unser Körper, um Nahrung aufzuschließen, Nährstoffe aufzunehmen und daraus Wärme, Qi (Lebensenergie), Körpersäfte, Blut und Essenz zu bilden. Ist das Verdauungsfeuer stark, steigen Qi und Körpersäfte über die Energieleitbahnen (Meridiane) zu den Lungen hinauf und werden von dort in den gesamten Körper verteilt. Dieser Vorgang ist unter anderem die Basis für ein kräftiges Immunsystem, die Bildung nachgeburtlichen Qis und ausreichender Körper(kühl-)flüssigkeiten.   


Starkes vs. schwaches Verdauungsfeuer im Kochtopfmodell


Ist das Verdauungsfeuer stark, fühlen wir uns nach dem Essen angenehm gesättigt und voller Energie. Ist es hingegen geschwächt, kann die Nahrung nicht vollständig "gekocht" und verwertet werden. In der TCM spricht man dann davon, dass Feuchtigkeit oder Nässe entstehen. Typische Anzeichen können sein:


  • Völlegefühl nach dem Essen

  • Blähungen

  • Müdigkeit nach Mahlzeiten

  • weicher Stuhl

  • ein Gefühl von Schwere im Körper

  • erhöhte Schleimbildung


Je mehr kalte Speisen und Getränke wir aufnehmen, desto mehr muss unser Körper zunächst Energie aufwenden, um sie überhaupt auf Körpertemperatur zu bringen. Erst danach kann die eigentliche Verdauungsarbeit beginnen. Das heißt, der Körper muss mehr Energie aufwenden, um die Nahrung zu verarbeiten, als er Energie daraus gewinnt. Entscheidend sind dabei immer Ausgangslage und Lebensstil: Ist das vorgeburtliche Verdauungsfeuer stark oder schwach und wirkt die Ernährungsweise unterstützend oder schwächend.


Warum gerade im Sommer warme Mahlzeiten?


Vielleicht fragst du dich jetzt: "Aber gerade im Sommer brauche ich doch etwas Kühles?"


Das stimmt – allerdings kühlt sich unser Körper im Sommer bereits auf natürliche Weise.

Nach der TCM wandert das Yang Qi, unsere wärmende und aktive Energie, in der warmen Jahreszeit verstärkt an die Körperoberfläche. Dadurch können wir überschüssige Wärme über die Haut abgeben und leichter schwitzen.


Die Kehrseite davon:


Im Inneren steht unserem Verdauungssystem weniger Wärme zur Verfügung.


Wenn wir nun zusätzlich große Mengen kalter oder stark kühlender Lebensmittel essen – etwa Eiscreme, eisgekühlte Getränke, Rohkost oder große Salatportionen –, verstärken wir diese innere Kälte. Der "Kochtopf" verliert weiter an Kraft und die Verdauung wird zusätzlich belastet.


Die Folgen bemerken viele Menschen zunächst gar nicht. Häufig zeigen sie sich erst im Herbst, wenn die Temperaturen sinken und die äußere Kälte hinzukommt. Plötzlich häufen sich Erkältungen, das Energielevel sinkt und die Verdauung reagiert empfindlicher.



TCM trifft modernes Ernährungswissen


Auch die moderne Ernährungsforschung liefert interessante Hinweise.


Durch das Garen werden pflanzliche Zellstrukturen aufgebrochen. Dadurch können einige Nährstoffe – beispielsweise aus Karotten oder Tomaten – sogar besser aufgenommen werden. Gleichzeitig ist gekochtes Gemüse für viele Menschen leichter verdaulich als große Mengen Rohkost.


Natürlich gehen beim Erhitzen auch hitzeempfindliche Vitamine verloren. Deshalb geht es nicht darum, Rohkost vollständig zu vermeiden. Vielmehr lohnt sich eine ausgewogene Mischung aus rohen und gekochten Speisen – angepasst an die Jahreszeit und an die eigene Verdauung. Die Konstitution spielt hierbei eine entscheidende Rolle.


Genau darin liegt für mich die Stärke einer Ernährung, die die Erfahrungen der TCM mit modernen Erkenntnissen sinnvoll verbindet.


So unterstützt du deine Verdauung im Sommer


Schon kleine Veränderungen können viel bewirken:


  • Starte den Tag mit einem Glas heißem Wasser.

  • Genieße mindestens eine warme Mahlzeit täglich.

  • Bevorzuge gedünstetes oder kurz gegartes Gemüse statt ausschließlich Rohkost.

  • Trinke Wasser möglichst ohne Eiswürfel.

  • Genieße Eiscreme bewusst – aber nicht täglich.

  • Kombiniere Salate mit warmen Komponenten wie Ofengemüse, Hülsenfrüchten, Fisch oder Ei.

  • Iss Süßes möglichst nach einer Hauptmahlzeit, um starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.


Es geht nicht darum, deinen Körper im Sommer „zu überhitzen“. Vielmehr unterstützt du mit gekochten Mahlzeiten die natürliche Kühlung deines Körpers, ohne deine Verdauung unnötig zu beanspruchen und damit zu schwächen.


👉 Wenn du tiefer einsteigen möchtest, begleite ich dich gerne in meiner individuellen TCM-Ernährungsberatung – online oder in meiner Praxis bei Graz.

Bei Fragen oder Anregungen schreibe mir gerne unter office@stefanie-bachmaier.com

 
 
 

Kommentare


bottom of page